„Oh, mein süßes Pferdchen!“, hört man immer wieder gerade von Teenagern, deren Herz den Pferden und dem Reiten gehört. Sie lieben ihre Reitpferde, malen ihnen Herzchen und schwärmen von ihnen wie von ihrem Lieblingssänger aus einer Boygroup. Auch wenn dieses Verhalten in dem Alter völlig normal ist, so sollte bei aller Schwärmerei nicht vergessen werden, dass ein Pferd eben kein Mensch ist. Dass Berührungen, Liebkosungen und der gesamte Umgang, den Menschen normalerweise untereinander pflegen, bei Pferden gänzlich anders ankommen kann. Da kann eine allzu stürmische Begrüßung, ein heftiges Umschlingen des Halses und das Küssen des gesamten Pferdekopfes (doch, das machen Teenager), von Pferden völlig anders verstanden werden, als es gemeint ist.
Die Pferde sprechen anders miteinander als Menschen, und sie zeigen sich auch ihre gegenseitige Zu- oder Abneigung anders, als es Menschen tun. So kann es durchaus passieren, dass ein Pferd auf allzu heftige Liebebeskundungen erschrocken reagiert, den Kopf hochreißt und seinen Reiter dabei verletzt.
Immer wieder geschehen Unfälle, weil Menschen ihre Pferde behandeln, als wären sie menschliche Freunde und würden denken, wie ein Mensch. Das Pferd aber denkt wie ein Pferd. In seinen Augen ist der Reiter ein Mitglied seiner Herde und wird von ihm so behandelt. Ein Pferd, das beißt oder tritt, hat jeden Respekt vor seinem Leittier – und das sollte der Reiter eigentlich sein – verloren. Wer es lustig findet, wenn Pferde unaufgefordert mit dem Kopf schubsen und dabei in Richtung Jackentasche zielen, weil sie wissen, dass dort für gewöhnlich die Leckerlies herauskommen, der hat schon verloren.
Der Reiter muss sein Pferd als untergeordnetes Herdenmitglied behandeln. Das bedeutet, dass er seine Signale verstehen, und konsequent und klar auf sie reagieren können muss. Er darf ihm nicht die gleichen Rechte gewähren, wie sich selbst. Tut er es dennoch, sollte er sich nicht wundern, wenn sein Pferd über kurz oder lang, die Führung übernimmt und nur noch das tut, wozu es gerade Lust hat. Hingebungsvolle Schmusereien von unerfahrenen Reitern können zu gefährlichen Situationen werden. Zu leicht wird vergessen, dass ein Pferd über unglaubliche Kraft verfügt, der wir Menschen überhaupt nicht gewachsen sind. Ein gezieltes Schlagen mit dem Kopf, befördert einen Reiter ohne Weiteres in die Ecke der Box. Von einem gezielten Hufschlag gar nicht zu reden.
Ungezogenes Verhalten dem Leittier gegenüber muss gleich mit einem Klapps oder Knuff quittiert werden. Ganz genauso, wie sich Pferde untereinander auch erziehen. Am Besten gelingt die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter natürlich, wenn man sein Pferd von Anfang an selbst betreut, das Vertrauen ineinander wächst, und die Rangfolge von Anfang an klar ist.
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