Pferd, Reiter und der Stress

22.07.2009

Auch Pferde scheinen gute und weniger gute Tage zu haben. War ein Pferd gestern noch willig und folgsam, kann es passieren, dass es heute unsicher, scheu und unruhig ist. Viele Reiter schauen sich dann suchend in der näheren Umgebung um, ob vielleicht auf dem Reitplatz irgendetwas anders ist, als sonst. Meistens ist das eine vergebliche Suche. Denn merkwürdigerweise scheint das Pferd genau am gleichen Tag “etwas durch den Wind” zu sein, wie man selber. Ausgerechnet an dem Tag, an dem von morgens bis abends ohnehin schon fast alles schief ging, man nicht mehr wusste, wo einem der Kopf stand! Dabei wäre doch gerade jetzt das Reiten genau die Entspannung, die man bräuchte, um sich wieder sammeln zu können.

Doch schon beim Putzen stand das Pferd unruhig, immer wieder schaute es sich um, trat hin und her, als gäbe es etwas, auf das es unbedingt achten müsste. Das Satteln und Trensen, das eigentlich immer problemlos über die Bühne geht, war ein einziges Geschiebe und Gefummel, weil das Pferd nicht ruhig blieb. Genauso ging es dann weiter, regelrecht nervöses Getue auf dem Reitplatz und die Hilfen und Kommandos, die sonst anstandslos befolgt werden, wurden einfach ignoriert oder widerwillig ausgeführt. “Das hat mir heute noch gefehlt”, denkt sich der Reiter “um den Tag komplett abzuhaken.”
stress Pferd, Reiter und der Stress
Was ist denn da passiert? Die Antwort liegt viel näher, als man zunächst ahnt. Und man findet sie leicht, wenn man seinen Blick mal vom Pferd weg und auf sich selber richtet. Hat man sich nicht selbst den ganzen Tag genauso unruhig benommen? Ist unschlüssig gewesen in seinem Handeln? Konnte nicht die richtige Entscheidung treffen, weil nichts klappen wollte? Wurde man nicht mit sich selbst immer unzufriedener und geriet im Laufe des Tages so richtig unter Stress?

In diesem Zustand hat man sein Pferd etwas abwesend und fahrig begrüßt und genau dort ist der Auslöser gesetzt worden, für das nervöse Verhalten des Pferdes. Der eigene Stress ging innerhalb von Augenblicken auf das Pferd über. Pferde spüren die Unruhe, wittern Gefahr, können aber nicht ergründen, woher sie kommt. Sie können die Situation nicht mehr einschätzen und verhalten sich so, wie sich ein Pferd verhält, das darauf bedacht ist, jeden Augenblick vor etwas fliehen zu müssen. Und schon setzt sich eine Spirale in Gang, bei der sich Stress und Nervosität zwischen Pferd und Reiter gegenseitig aufschaukeln.

Wer sich über plötzliche Verhaltensänderung seines Pferdes wundert, tut gut daran, seine eigene Verfassung zu überprüfen. Oft liegt dort die Erklärung.


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