Von der Pferdesprache haben wir schon einiges gehört. Sie zu beherrschen ist für ein vertrauensvolles Miteinander von Pferd und Reiter unerläßlich. Doch wie in jeder anderen Sportart, hat sich auch im Umgang mit dem Pferd unter den Reitern eine Fachsprache entwickelt. Einige der verwendeten Ausdrücke sind für nicht Eingeweihte unverständlich und sorgen für kuriose, wenn nicht gar erschreckende Bilder im Kopf.
Wer sich nicht auskennt, wird sich arg wundern, wenn das Kommando heißt, der Reiter solle sich ordentlich ins Pferd setzen. Gemeint ist damit, dass er sich tief in den Sattel setzen soll, um den Kontakt mit der Pferdebewegung besser herzustellen.
Oder es wird aufgefordert, dem Pferd mehr Hilfen zu geben. Wie stellt sich ein Außenstehender das vor? Soll der Reiter absteigen und das Pferd schieben? Nein, die Hilfen sind kaum sichtbare Kommandos der Körpersprache des Reiters. Gemeint sind Schenkeldruck, Gewichtsverlagerung über die Gesäßknochen und sanfte Paraden durch den Zügel.
Paraden? Da taucht vor dem inneren Auge ein Bild auf, das so gar nichts mit dem Reiten zu tun hat? Nun, auch dieser Ausdruck beschreibt die Arbeit mit dem Zügel. Durch sanfte Veränderung der Handstellung kann die Aufmerksamkeit des Pferdes erhöht werden, um ein weiteres Kommando aufzunehmen.
Jetzt wird’s aber langsam verrückt. Ein Pferd an den Zügel stellen? Auch dies bedeutet nichts weiter, als dass das Pferd gerade gestellt wird. Zu erreichen durch annehmende und nachgebende Paraden des Reiters.
Richtig ausgeführt werden alle Hilfen dazu beitragen, dass man auf einem losgelassenen Pferd reitet. Klingt etwas seltsam? Sollte das Pferd sich aufgefordert fühlen durchzugehen? Nein, im Gegenteil. Ein losgelassenes Pferd läuft unter seinem Reiter entspannt, gleichmäßig und aufmerksam. Mit anderen Worten: Das Pferd geht versammelt. Denn auch dieser Ausdruck besagt, dass das Pferd entspannt geht und aus der Hinterhand heraus zu einem gleichmäßigen Schritt gefunden hat. Dann spricht man auch von einem durchlässigen Pferd. Das Gegenteil davon ist, wenn das Pferd sich überrollt, dabei versucht es, durch das Zurücknehmen des Kopfes Richtung Brustkorb, sich den Paraden des Reiters zu entziehen.
In Reitschulen sieht man auch hin und wieder, dass ein Pferd, das unter einem Anfänger reitet, auf den Kopf gestellt wird. Das hört sich an, als ob es die ganze Angelegenheit nicht gerade erleichtert? Gemeint ist, dass mit Hilfszügeln, verhindert wird, dass sich das Pferd zu sehr streckt.
Wer mit dem Reiten beginnt, wird sich an die Begriffe schnell gewöhnen. Denn ebenso wie das Verständnis dafür, ist es wichtig, dem Pferd saubere und klare Kommandos zu geben. Im Internet gibt es viele Informationen darüber. Eine sehr umfangreiche Begriffserklärung findet man auf der Seite marypferd.
Ähnliche Artikel:
- Der richtige Reitersitz Ohne Unterricht und fachgerechte Ausbildung wird es schwerlich möglich, sich einen guten Reitersitz anzueignen,...
- Richtig reiten Von der ersten Longestunde bis zum perfekten Reiten ist es ein weiter Weg, der...
- Westernreiten Zum Westernreiten gehört schon etwas Sattelfestigkeit. Und vor allem ein williges Pferd mit einer...
- Reitferien sind Vertrauenssache Vor einigen Tagen ging ein Skandal durch die Presse. Ein Reiterhof soll Ferien für...
- Einmal laut gewiehert Ohne Humor wäre das Leben weniger lustig. Auch über Pferde und ihre Besitzer gibt...
1 comment so far Add your comment »
Get updates when new comments are added. Subscribe to the comments RSS Feed
Januar 13th, 2010
Ich finde diese Seite ganz interessant, allerdings sind einige Begriffe hier nicht ganz richtig erklärt. Eine Parade ist immer ein Zusammenwirken aller Hilfen, nicht nur am Zügel. Und ein losgelassenes Pferd läuft nicht automatisch versammelt (ok, vielleicht war das auch nur ein schlecht gewählter Übergang
). Und was gerade gestellt heissen soll, kann ich mir nicht ganz vorstellen (auch wenn ich weiss, wie ein Pferd an den Zügel gestellt werden soll)…?
Dass Hilfszügel verhindern sollen, dass das Pferd sich zu sehr streckt, finde ich nicht optimal ausgedrückt, oder besser gesagt schade, denn dass ein Pferd sich streckt (zumindest vorwärts abwärts) ist doch eigentlich erwünscht?
Aber ansonsten eine interessante Seite. Ich würde mich freuen, wenn einige Themen noch mehr in die Tiefe gehen würden