Ein immer heikles Thema, das regelmäßig zu heftigen kontroversen Diskussionen führt, ist der Verzehr von Pferdefleisch. Gerade deshalb aber sollte man es nicht ausblenden, denn dass Pferdefleisch konsumiert wird, ist nun mal eine Tatsache. Je nach Land und Kultur ist dieser Brauch unterschiedlich ausgeprägt. Allerdings ist der Trend Pferdefleisch auf den Tisch zu bringen, nirgendwo auf der Welt so selbstverständlich, wie der Verbrauch von Rind-, Schwein- und Geflügelfleisch.
Für die meisten Pferdefreunde und Pferdebesitzer ist der Verzehr von Pferdefleisch mit Sicherheit ein Ding der Unmöglichkeit. Wer so intensive Beziehungen mit Tieren eingeht, ist in der Regel nicht in der Lage, so ein lieb gewonnenes Tier als Nahrungsmittel anzusehen. Das war aber durchaus nicht immer so. In früheren Zeiten wurden auf Bauernhöfen durchaus Pferde geschlachtet und verarbeitet. Das Pferdefleisch war damals und ist noch heute qualitativ wesentlich hochwertiger, als andere Fleischsorten. Das liegt schon daran, dass der Fettanteil geringer ist, dass das Muskelfleisch wesentlich besser durchblutet ist und das Fleisch der Pferde insgesamt höherwertiges Eiweiß und mehr Mineralstoffe und Vitamine enthält. Außerdem, so sagt man, wird das Fleisch mit zunehmendem Alter eines Pferdes immer zarter.
In Deutschland werden jährlich fast 18.000 Pferde geschlachtet, von denen längst nicht alle auf dem Teller landen. Ein sehr geringer Anteil, im Vergleich zu den fast vier Millionen Rindern oder Schweinen (40 Millionen) und Geflügel (weit über 300 Millionen). Aus diesen Zahlen lässt sich leicht ableiten, welchen ethischen Stellenwert, welche Tierart bei uns genießt. Denn auch, wenn das Pferd anders gehalten wird und dem Menschen nicht nur als Nutztier, sondern auch als Freizeitpartner dient, so hängen doch letztlich auch Tiere wie Rinder und Schweine, an ihrem Leben. Der einzige Unterschied ist, dass wir Menschen an einige Tiere eine stärkere emotionale Bindung entwickeln, als an andere. Ein Hähnchen wird immer gern mal gegessen, aber niemand würde seinen Papagei oder Wellensittich verspeisen. Sobald man innerlichen Kontakt mit einem Lebewesen aufnimmt, stößt man an Grenzen, die gewisse Handlungen nicht mehr so einfach möglich machen.
Dennoch, wirft man ein Auge auf den Tod eines Pferdes in freier Wildbahn, so erkennt man, dass das Fressen von alten und schwachen Tieren, durchaus dem Naturplan entspricht. Entweder sie verenden qualvoll durch Verdursten oder Verhungern, oder sie werden gerissen, getötet und gefressen. Ich könnte mein Haustier — egal, ob Pferd, Hund, Katze oder Wellensittich — auch nicht einfach essen. Auch dann nicht, wenn mir noch so oft versichert würde, dass es das beste und gesündeste Fleisch ist, das neben Wild, die beste Qualität hat.
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