Anweiden

5.04.2009

Pferde die ganzjährig draußen gehalten werden, haben selten Probleme mit Frühjahrskoliken. Sie fressen zwar auch im Winter mehr Heu als im Sommer, finden aber dennoch auch unter einer Schneedecke noch Gras zum Fressen, sodass eine langsame Gewöhnung fast von allein stattfindet, sobald das Gras im Frühjahr wieder verstärkt zu wachsen beginnt.

Ganz anders sieht es aus bei Pferden, die im Winter im Stall gehalten werden und monatelang kein frisches Gras bekommen. Natürlich wollen auch sie im Frühjahr wieder hinaus auf die Weide und freuen sich auf das saftige Futter. Dennoch muss der Halter das Anweiden langsam beginnen. Die ersten Weidegänge sollten eine halbe bis höchstens eine Stunde dauern. Bleiben die Pferde gleich den ganzen Tag draußen, werden sie sich mit Genuss den ganzen Tag damit beschäftigen zu grasen. Und das kann fatale Folgen haben.anweiden

Der extrem hohe Eiweiß- und Zuckergehalt des ersten Grases, ist ein Problem für die empfindliche Verdauung und kann sehr schnell zu schweren Koliken führen. Die Darmflora mit den Verdauungsbakterien hat sich im Winter verändert und muss jetzt langsam neu angepasst werden, an die Eiweißverdauung. Dies geht nicht von heute auf morgen. Deshalb ist das Anweiden langsam durchzuführen und kann ruhig über zwei bis vier Wochen alle paar Tage gesteigert werden. Bei den kleinsten Anzeichen von Unwohlsein oder gar geschwollenen Beinen, ist das Pferd sofort wieder von der Weide zu nehmen.

Besonders ist auf häufiges Flehmen oder Wälzen zu achten, das ebenso ein Hinweis auf eine beginnende Kolik ist, wie das Ausbleiben der Pferdeäpfel. Der Bauch fühlt sich bei einer Kolik hart und angespannt an, die Tiere schwitzen und der Allgemeinzustand geht rapide bergab. Es ist auf jeden Fall ein Tierarzt zu holen, je früher desto besser, denn die Pferde drohen auszutrocknen und einen Kreislaufkollaps zu erleiden. Selber kann man dafür sorgen, dass das Pferd in Bewegung bleibt. Das heißt nicht, dass es geritten wird, sondern beständig mit ihm im Schritt gelaufen wird. Es sollte sich nicht zu hart wälzen und auch auf keinen Fall stundenlang in der Box liegen.

Die Koliken sind sehr qualvoll für die Tiere, so dass es vor allem darauf ankommt, sie zu vermeiden oder gegebenenfalls frühestmöglich den Tierarzt zu verständigen. Für Koliken gibt es auch noch andere Gründe, die von ihm ausgeschlossen oder diagnostiziert werden können. Nicht wenige Pferde sterben im Frühjahr an Koliken, die vielleicht zu vermeiden gewesen wären. Manchmal rät der Tierarzt auch das Pferd zu erlösen.


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Ulli
April 5th, 2009

Hinzufuegen moechte ich, dass das vorsichtige Anweiden nicht nur im Bezug auf Koliken wichtig ist. Auch bei Hufrehe und Sommerekzem spielen zuviel Eiweiss und Fruktane eine Rolle. Wie du schon schreibst, muss die fuer die neuen Aufgaben geeignete Darmflora zeitlich erst Gelegenheit bekommen, sich umbauen zu koennen.

Ansonsten kommt es nicht nur durch den Ueberschuss der nicht verarbeitbaren Eiweisse und Co., sondern auch durch ploetzlich absterbende Darmbakterien zu Fehlgaerungen, aber auch zu nicht zu unterschaetzender Ueberlastung der Entgiftungsorgane, mit den entsprechenden Auswirkungen.

Da sind die Pferde, die ganzjaehrig draussen stehen, klar im Vorteil und die groesste Gefahr besteht fuer alle, die aus der Box heraus auf eine ueppig spriessende, saftige und gut geduengte Weide gelassen werden..

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