Wer zu den Menschen gehört, die das Reiten mit Ängsten verknüpfen, braucht sich dafür nicht zu schämen. Im Gegenteil, wer versucht, die Angst zu verstecken, wird ihr noch Nahrung geben, statt sie zu verlieren. Es ist längst nicht so, dass alle Reiter angstfrei auf ihrem Pferd sitzen. Viel Menschen verdrängen ihre Ängste vor der Größe und Stärke des Tieres, oder sie schieben die tiefe Angst vom Pferd zu fallen und Schaden zu nehmen über viele Jahre hinweg. Letztlich werden sie das Reiten unter einem Vorwand aufgeben, weil es für sie extremen psychischen und physischen Stress bedeutet.
Angst ist ein wertvoller Begleiter für alle Lebewesen. Ohne die Angst, würde manche Begegnung mit dem Leben bezahlt werden. Die Angst nur zu überspielen bewirkt letztlich, dass sie sich verstärkt. Also ist das Gegenteil erforderlich. Wenn man seine Ängste einmal offen zulässt und ihnen Raum gibt, indem sie sich klar ausdrücken können, dann hat man die Chance den wirklichen Grund für seine Ängste vor dem Reiten zu finden und sie zu beseitigen.
Wichtigste Voraussetzung zur Angstüberwindung ist, dass man sich so viele Informationen über Pferde besorgt, wie man nur bekommen kann. Wer die Sprache der Pferde versteht, kann ihr Verhalten voraussehen. Auf Ereignisse, die voraussehbar sind wiederum, kann man sich einstellen oder sie sogar in eine andere Richtung lenken.
Angst erzeugt zwei mögliche Reaktionen: Sie kann den Fluchtimpuls auslösen, so wie es den meisten Lebewesen und auch dem Pferd zu eigen ist. Einige Lebewesen, die nicht sonderlich schnell zu Fuß sind dagegen, erstarren in der Angst, sie stellen sich tot, in der Hoffnung, dass sie damit für das angstauslösende Moment, uninteressant werden. Beide Reaktionen machen nur Sinn, wenn es darum geht, sein Leben zu schützen.
Wer sich aber mit Pferden beschäftigt, wird schnell merken, dass das Pferd kein Tier ist, dass darauf aus ist, uns Schaden zuzufügen. Sein Interesse geht vor allen Dingen dahin, dass ihm selbst kein Leid geschieht. Deshalb verhält sich ein Pferd unter der Anleitung eines angstfreien Menschen meistens völlig problemlos. Wird es aber von einem ängstlichen Reiter bestiegen, übertragen sich die Verspannung und die Angstlähmung sofort auf das sensible Pferd und verunsichern es. Das Pferd braucht eine klare Führung, die ihm ein ängstlicher Reiter nicht vermitteln kann.
Es ist notwendig, dass der Reiter seine eigenen Ängste unter die Lupe nimmt und herausfindet, was er befürchtet und vor allem, wie wahrscheinlich es ist, dass diese befürchteten Ereignisse tatsächlich eintreten. Die Angst vor dem Reiten lässt sich relativ schnell dadurch abbauen, indem man zum Beispiel mit seinem Pferd viel Bodenarbeit macht. Auf dem Boden fühlen sich auch ängstliche Reiter sicher. So können sie die Beziehung zum Pferd aufbauen und Ängste abbauen.
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