Überall dort, wo eine Rangordnung nicht so funktioniert, wie der Mensch sie sich vorgestellt hat, hört man Begriffe wie Problempferde, -hunde, -kinder.
Ein ranghöheres Geschöpf erteilt ein Kommando und das rangniedrigere weigert sich, das Kommando auszuführen. Was passiert da? Wer hat dort tatsächlich ein Problem? Das Kind? Der Hund? Das Pferd?
Ganz offensichtlich hat das Problem in den meisten Fällen der angeblich Ranghöhere. Denn die eigentlich in der Hirarchie weiter unten stehenden tun das, was sie wollen und nicht das, was sie sollen.
Es gibt viele schreckliche Beispiele, wo sogenannte „Problempferde“ mit Gewalt und Brutalität „erzogen“ werden. Man will ihren Willen brechen, weil man keine andere Möglichkeit sieht, sie sich unterzuordnen. Dabei ist es für jedes Pferd ein ganz natürliches Verhalten, sich unterzuordnen, wenn ihm ein ranghöheres Mitglied seiner Herde – in diesem Fall der Reiter – vermittelt wer der Chef ist. Dies gelingt aber nur, wenn das Pferd die Sprache seines Menschen versteht und was noch viel wichtiger ist: Wenn der Mensch die Sprache seines Pferdes beherrscht.
Im Gegensatz zu menschlichen Denkweisen, erkennen Pferde ranghöhere Tiere an, wenn diese ihnen Sicherheit und Schutz bieten können. Pferde sind von Natur aus friedliche und freundliche Tiere, die ihre Fähigkeiten und Grenzen gut kennen. In einer Herde wird die Leitstute nur so lange anerkannt sein, wie sie das Vertrauen der Tiere aufrecht erhalten und ihnen Sicherheit bieten kann.
Vertrauen, Zuverlässigkeit und agressionsfreier Umgang mit dem Pferd sind die Grundpfeiler jeder guten Erziehung. Alles andere erzeugt Angst und unkontrolliertes Verhalten. Weiter gehört intensive Zuwendung auch außerhalb der täglichen Routinearbeiten zur vertrauensbildenden Maßnahme.
Ein Tier das schon etliche schlechte Erfahrungen gesammelt hat, wird immer ängstlich sein und dadurch unberechenbar. Und nur sehr erfahrene Reiter werden ausreichend Geduld und Verständnis aufbringen, um beispielsweise Verhaltensweisen wie das plötzliche Bocken, Ausschlagen oder Beißen, zu kompensieren. Oftmals dauert es Jahre, bis so ein Tier wieder Vertrauen fasst.
Hilfreich ist es, wenn man sich viel Zeit für sein Pferd nimmt, mit ihm spricht und auch dann mit ihm zusammen ist, wenn man nicht reiten möchte. Man kann auf der Weide oder in der Reithalle mit ihm machen oder auch einfach spazieren gehen – eben ganz Zeit mit ihm verbringen. Unerlässlich ist es auch, sich mit der Körpersprache der Pferde auseinanderzusetzen. Nur wer diese versteht und sich so verhält, dass sein Pferd ihn verstehen kann, wird irgendwann wieder Vertrauen aufbauen können. Wie weit das gelingt, hängt zum einen ab von der Dauer und der Art der Vorerfahrungen und zum anderen von der Geduld seines neuen Besitzers. Ebenso wichtig ist ein konsequentes Verhalten, weil der Mensch dadurch für sein Pferd berechenbar und zuverlässig wird.
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