Koppen

5.02.2009

pferd koppenDas Koppen wird bisher nicht zu den eigentlichen Krankheiten der Pferde gezählt, sondern fällt unter den Begriff Verhaltensstörung. Dennoch kann das exzessive Koppen früher oder später krankmachende Folgen haben. Koppt ein Pferd im Stall, sucht es sich dazu meistens einen Widerstand, wie zum Beispiel die Tränke, auf die es die Vorderzähne auflegen kann. Durch Anspannen und Entspannen der Halsmuskulatur gelingt es ihm, willentlich Luft in die Speiseröhre einfließen zu lassen. Dadurch entsteht ein rülpsähnlicher Laut. Pferde, die diese Art des Koppens bevorzugen, werden als Aufsetzkopper bezeichnet.

Das Koppen ist allerdings keine Sache, die ein Pferd hin und wieder ausübt, sondern ein sogenanntes stereotypes Verhalten. Das bedeutet, dass das Verhalten stetig wiederholt wird. Noch immer ist nicht geklärt, weshalb Pferde koppen. Die Tendenz geht allerdings dahin, dass man davon ausgeht, dass ein Pferd durch frühe falsche Prägung oder Haltung zum Koppen kommt. Besonders junge Tiere, denen es an Abwechslung und Beschäftigung fehlt, oder die zu früh entwöhnt wurden, entwickeln diese Verhaltensstörung schon in den ersten zwei bis drei Lebensjahren. Auch das Fehlen sozialer Kontakte mit Artgenossen wird als Grund vermutet. Hat sich diese Störung erst manifestiert, gibt es kaum Möglichkeiten, sie dem Pferd wieder abzugewöhnen.

Einzige erfolgversprechende Methode ist die Operation der Halsmuskeln, mit deren Hilfe das Pferd das willentliche Öffnen des Schlundes verursacht. Aber auch sie führt nicht immer zum Erfolg. Ist die Ursache für das Koppen Langeweile, wird sich selbst nach einer gelungenen Operation eine neue Verhaltensstörung einstellen. Sollte also das Koppen tatsächlich an mangelnder Beschäftigung liegen, kann man es mit viel Zeit und Geduld zumindest eindämmen, indem man täglich mehrere Stunden mit dem Pferd arbeitet. Es nur auf die Weide lassen, damit es sich austoben kann, genügt da leider nicht. Denn auch auf der Weide koppen diese Pferde. Sie suchen sich einen Weidezaun oder das Gatter, um den nötigen Widerstand zum Koppen zu finden. Selbst wenn dieser nicht vorhanden ist, gelingt einigen auch das sogenannte Freikoppen. Regelmäßiges Reiten und abwechslungsreiche Bodenarbeit beugen der Langeweile vor und lenken von Unarten ab.

Da das Koppen vor allem für den Reiter und Halter des Pferdes eine Belastung ist, beschäftigt sich die Wissenschaft inzwischen intensiver damit. Es laufen Studien, die das Koppen genauer unter die Lupe nehmen, denn es besteht ein Verdacht, dass koppende Pferde unter Magengeschwüren leiden. Dabei müssen diese nicht unbedingt bösartiger Natur sein. Weiter hat man festgestellt, dass die Veranlagung zum Koppen durchaus weitervererbt wird. Deshalb ist es wichtig, sich vor dem Kauf eines Pferdes auch seine Eltern in Augenschein zu nehmen. Stehen Pferde mit Koppern im gleichen Stall, kann es vorkommen, dass sie sich das Koppen abgucken und so durch Nachahmung selber zu Koppern werden.



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