Das Vielseitigkeitspferd

6.10.2008

Die Titelzeile lässt keinen Zweifel aufkommen, dass es offensichtlich Pferde gibt, die verschieden genutzt werden. Natürlich lassen sich alle Pferde zum Reiten nutzen. Dennoch gibt es unter den verschiedenen Rassen diverse Talente. Keiner wird sich vorstellen wollen, dass ein Araber vor den Pflug gespannt, die gleiche zufriedenstellende Leistung bringt, wie ein Holsteiner.

Im Vielseitigkeitspferd verbergen sich mehrere Seiten. Diese gilt es herauszuarbeiten und zu trainieren. Sie werden nicht ausschließlich zum Springreiten oder für die Dressur ausgebildet, sondern erfreuen sich großer Beliebtheit besonders im Breitensport, weil mit ihnen fast alles möglich ist. So können mit Vielseitigkeitspferden ebenso Dressurübungen trainiert werden, wie man mit ihnen auch das Springreiten oder Geländeausritte veranstalten kann. Sie eignen sich für den durchschnittlich begabten Reiter ebenso, wie für den leidenschaftlich geübten Reiter.

Diese Mutitalente fechten natürlich auch Wettkämpfe aus und können dabei zeigen, was in ihnen steckt. Und diese Wettkämpfe und Prüfungen haben es in sich! Gewertet wird das Verhalten, die Disziplin und die Leistung beim Springen, der Dressur und im Gelände. Bis dahin allerdings müssen Pferd und Reiter zunächst zahlreiche andere Prüfungen erfolgreich absolviert haben, um überhaupt zur Vielseitigkeitsprügung zugelassen zu werden.

Die Prüfungen entstammen ursprünglich der Ausbildung von Militärpferden und verlangen den Teilnehmern viel ab. Bis vor einigen Jahren kam manch Pferd dort zu Schaden, und selbst Reiter sind zu Tode gekommen. So ist es Vorbedingung, dass nur ganz gesunde und trainierte Pferde überhaupt zugelassen werden. Es findet vor und nach der Veranstaltung eine Untersuchung durch den Tierarzt statt. Auch während der Wettkämpfe wird sehr genau darüber gewacht, ob ein Pferd Schwächen oder Erschöpfungssymptome zeigt. Diese Tiere werden zu ihrem Schutz gegebenenfalls vom weiteren Wettkampf ausgeschlossen.

Nun gibt es aber auch für weniger leistungsfähige Pferde und Reiter Möglichkeiten, sich die eine oder andere Anerkennung zu verdienen. Vielseitigkeitswettkämpfe werden in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausgeschrieben. Man ist nicht gezwungen, seinem Pferd das Äußerste abzuverlangen. So sind die Geländeritte von unterschiedlicher Dauer, es gibt Wettkämpfe, mit und ohne Rennstrecke, sowie Springparcours in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Die ganz großen sogenannten Langprüfungen wurden über drei Tage aufgeteilt. Nach den Olympischen Spielen 2004, wo die Medaillen mit Kurzprüfungen erobert werden konnten, sind sie zum Schutz von Pferd und Reiter abgeschafft worden.

Die Ermittlung des Gewinners einer Vielseitigkeitsprüfung gestaltet sich anders als bei Prüfungen von Pferden mit Spezialgebiet. So ist es nicht gleich ein Drama, wenn Fehler gemacht werden. Am Ende eines Wettbewerbs gewinnt das Pferd mit der niedrigsten Fehlerquote.

Insgesamt kann man die Leistung der Vielseitigkeitspferde als perfekt alltagstauglich bezeichnen. Sie brauchen keine Spitzenleistungen in den verschiedenen Disziplinen erreichen, sie sollen aber zuverlässig ein gesundes Mittelmaß an bereitwilliger Arbeit in den Disziplinen Dressur, Galopp und Springen vorweisen. Wobei sich Mittelmaß nach den Spitzenleistungen der Dressur- und Springpferden orientiert und nicht etwa negativ gewertet werden darf.


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